Leserbrief:
Liebe Gisela, mit äußerster Genugtuung las ich Deine Einleitungsseite! Du verschweigst nicht deine Herkunft, und wie Du selbst erzogen worden bist, denn die Gedanken wurden in dir geboren. Deine ersten Worte gelten dem Frieden und der Erziehung in diesem Sinne als eigentlich dem wichtigsten Anliegen, wenn man sich an Menschen wendet.
Das ist wieder politisch - und wieder mutig von Dir, und Du kommst auch bei Menschen unseresgleichen, geboren, aufgewachsen, erzogen in der DDR und vollgestopft mit Friedensliebe und -erziehung, an, denn Du wählst einfache, eindringliche, ins Herz treffende Worte, die jeden Leser erreichen müssten, egal, wo seine Wiege stand.
Wir leben ja nun auch schon 12 Jahre in kapitalistischer Gesellschaftsordnung und die Entwicklung und eine Unzahl praktischer Beispiele und Beweise dürften gezeigt haben, dass Friedensliebe als Überlebenschance der Menschheit zu sehen ist und beim einzelnen Menschen, in der Familie, in der Kindheit gepflanzt und gepflegt werden und gedeihen muß. Ich glaube, liebe Gisela, Deine Ehrlichkeit und Dein Mut zur Wahrheit, Dein Bekenntnis Deiner Herkunft sind Deine Markenzeichen, so wie ich es Dir schon im Zusammenhang mit "Abendrot" anerkannte.
Nun zu Deinen Erzählungen.
Ich finde sie alle, ausschließlich, wertvoll für Kinder und Eltern.
Einfach und verständlich sprichst Du die Kinder in deren Alltag an, greifst deren Probleme auf, bearbeitest sie kindgemäß, baust durch Konfliktsituationen Spannungsfelder auf, verstehst es, diese zu erhalten und löst schließlich die Konflikte zur Zufriedenheit aller. Dabei kann und sollte jeder etwas lernen, und den Eltern wird die Erziehung ihrer Kinder erleichtert.
Wie schön, wenn solche Literatur produziert wird!
Wie Du Dir denken kannst, hat mich Deine Erzählung "Winzlingsland" ("Eisblumenzeit sowieso) ganz besonders beeindruckt. Der Tagebau, mit Kinderaugen betrachtet und obendrein noch heute, nach fast 50 Jahren, als angenehme Erinnerung, dank Deines Vatis. Der Tagebau war eben auch ein Stück Heimat. Liebe Gisela, das will schon etwas heißen, und ich staune immer wieder über Dich!
Auch an die Problematik der unterschiedlichen Rassen, deren Anerkennung und Achtung traust Du Dich heran. Wie schön schreibst Du doch über den kleinen Julian, und wer müsste ihn nicht ins Herz schließen? Mit Deinen Erzählungen begründest Du regelrecht die Richtigkeit und eigentlich Leichtigkeit der Verwirklichung Deines Friedensgedichtes.
Besonders wertvoll finde ich deshalb auch Deine Darstellung eines intakten Familienlebens, was sich durch alle Erzählungen zieht. Ein wahrhaft wichtiges Thema und doch so zurückgedrängt durch die gesamte Lebensweise heute, durch die Notwendigkeit, andere Probleme, "wichtigere" Probleme bewältigen zu müssen. Das war zu unseren Zeiten nicht so ausgeprägt.
Liebe Gisela, jede Deiner Erzählung besitzt einen wichtigen erzieherischen Wert, und sie sind von Dir ganz lecker, spannend und zu Herzen gehend aufgeschrieben worden.
Mach' weiter so!
Deine Idee, Bilder zum Ausmalen beizufügen, ist wunderbar, erfolgt doch damit eine vertiefende Auseinandersetzung mit der Thematik und je nachdem, wie verstanden oder auch nahegebracht, ein "Sich-Identifizieren" mit dem Inhalt.
Ich kann Dich zu Deinen "Kinderträumen" jedenfalls nur beglückwünschen und hoffen, dass sie viele Leser und Vorleser finden werden und offene Ohren für Dein Anliegen.
Desweiteren wünsche ich Dir noch viele neue, gute Ideen zum Schreiben und persönlich alles Gute.
Mit herzlichen Grüßen Karin (30. Juli 2002)