Verlorene Heimat" von Gisela Dua
Rezension:
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2. Juli 2005 |
Während der Lektüre
dieses Buches erinnerte ich mich immer wieder an meine Großmutter, die, nun
schon über 40 Jahre tot ist.
Sie, die ihre Wurzeln, ihre Heimat im Rheinland hatte und ihr ganzes Leben dort
verbringen durfte, hatte ein Lieblingslied. Sie sang es immer wieder gern und
aus vollem Herzen.
Es klingt noch heute in meinem Ohr, und es begann so:
„Es war im Böhmerwald, wo meine Wiege stand, im schönen grünen Böhmerwald
...."
Sie, die zwei Weltkriege erleben musste mit allen Schrecken und Schicksalsschlägen,
hatte gleichwohl das Glück, das Privileg, in ihrer Heimat leben und sterben zu
dürfen.
Nicht so Gretl und Ottl, deren Schicksal die Autorin Gisela Dua in diesem
mutigen und politisch brisanten Buch beschreibt.
Sie leiden unter dem Verlust der Heimat, ihrer Lebensplanung, ihrer Zukunftsträume.
Sie leiden an den erlebten Erniedrigungen und Enttäuschungen, die sie im
Zusammenhang mit der Vertreibung erfahren mussten.
Der Verlust von Haus und Hof ist schon schlimm genug. Noch schlimmer jedoch ist,
dass sie - als sie nach vielen Jahren endlich wieder die Heimat besuchen dürfen
- sich in den Köpfen der Menschen nichts geändert hat. Sie stoßen auf
Feindschaft, entschlossene Ablehnung, sogar auf Spott und Verachtung.
Gisela Dua schildert in diesem Buch die schrecklichen Ereignisse dieser Zeit aus
der Sicht, aus dem Herzen zweier einfacher Menschen, die nichts anderes wollten,
als zusammen glücklich und zufrieden in ihrem Land zu leben.
Gleichzeitig zeichnet sie ein liebevolles und positives Bild des Sudetenlandes.
Sie lässt Dichter, wie Marie von Ebner Eschenbach und andere zu Wort kommen.
Landschaftsbeschreibungen und Bilder sind ebenso integriert wie Rezepte aus der
viel gelobten böhmischen Küche. Ein außergewöhnliches Buch.
Lesen Sie selbst - es lohnt sich.
| Rezensentin/Rezensent: lakiegitte (Mehr über mich) aus Rheinland-Pfalz |
Mit ihrem Buch "Verlorene Heimat" aus der Serie "ABENDROT" berührt die Schriftstellerin Gisela Dua das schrecklichste Kapitel deutscher Geschichte, die Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus und seine Folgen.
Die von den deutschen Faschisten systematisch und jahrelang mit äußerster Grausamkeit betriebene Ausrottung osteuropäischer Völker konnte nicht ungesühnt bleiben. Doch neues Unrecht geschah. Diesmal begangen an den Deutschen, die man zum Verlassen ihrer Heimat, den heutigen tschechischen und polnischen Gebieten, zwang.
Einfühlsam und anschaulich lässt Gisela Dua die Eheleute Gretl und Ottl vom Leben in ihrer geliebten sudetendeutschen Heimat und von ihrem Leidensweg erzählen. Freudvolle Kindheits- und Jugendjahre in der Familie, ein ausgefülltes arbeitsreiches Leben und Schaffen in der eigenen Fleischerei, Gaststätte und Landwirtschaft und die berechtigte Hoffnung auf eine ebenso glückliche Zukunft prägten das Leben dieser Sudetendeutschen und Millionen anderer deutscher Familien.
Jäh zerstört wurde dieser Friede, als 1945 Tausende Familien binnen kürzester Zeit ihr
gesamtes Hab und Gut verlassen mussten. Bepackt nur mit dem Nötigsten, verstaut auf
Kinder- und Handwagen oder gar nur mit dem, was sie auf dem Leibe trugen, zogen die Mütter und Großmütter (die meisten Männer waren noch im Kriegsgebiet) mit ihren Kindern voller Angst und Verzweiflung ihren Weg in die Ungewissheit.
Die leisen und einfühlsamen Töne, mit denen Gisela Dua persönliches Schicksal darstellt,
berühren zutiefst.
Noch heute, ein halbes Jahrhundert später, belasten viele der damals Betroffenen die
traumatischen Erinnerungen an ihre Vertreibung aus der Heimat.
Obwohl ihre Sehnsucht nach dem einstigen Zuhause nie vergehen wird, setzen sich die
meisten der Sudetendeutschen für eine freundschaftliche Verständigung mit dem tschechischen Volk ein.
Im zweiten Teil ihres Buches beschreibt die Autorin in Form von Gedichten, Liedern,
Heimatgeschichten sowie durch Rezepte und Bauernsprüche sehr liebevoll landschaftliche Schönheiten, historische Ereignisse sowie Brauchtum und Glaube des Sudetenlandes.
Durch ihre umfangreichen Recherchen und ihre anschauliche Sprache gelingt es Gisela
Dua, dem Leser ein interessantes Bild dieses schönen Landes "im Herzen Europas" zu vermitteln.
"Verlorene Heimat" ist nicht nur eine unverzichtbare Erinnerung und schärfste Verurteilung jeglicher Verbrechen gegen Menschen, sondern auch ein Beitrag für das friedvolle Zusammenleben unserer Völker.
Gisela Dua hat ihr Buch mit der dafür notwendigen Behutsamkeit und mit großer Achtung vor dem Leben geschrieben.
Brigitte Grodzinski, Borna (21. Februar 2002)
Leserbriefe:
Liebe Gisela,
ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Es ist wunderbar einfühlsam und
dabei spannend geschrieben.
Wie viele Menschen erlitten ein ähnliches Schicksal. Umso wichtiger ist, das
ihre Geschichten nicht vergessen werden und aus dem Nichts der Vergessenheit
geholt werden.
Vielen Dank!
Angelika Haymann (9. Mai 2005)
Sehr geehrte Frau Dua,
am gestrigen Abend sprach ich erneut mit meiner Nachbarin über Ihr Buch "Verlorene Heimat".
Sie erinnern sich, dass ich am Ende vergangenen Jahres ein Geburtstagsgeschenk für meine über 70 Jahre alte Nachbarin suchte. Zum Glück bekam ich Ihr Buch in die Hände und stellte nach dem Lesen fest, dass das genau das richtige Geschenk für sie ist.
In den letzten Jahren hat mir die Nachbarin sehr oft von ihrer Jugendzeit im Sudetenland
und vor allem von den schrecklichen Erlebnissen der Vertreibung erzählt. Meine Nachbarin heißt auch Gretel und sie identifiziert sich sehr stark mit der in ihrem Buch wiedergegebenen Geschichte der Familie aus dem Sudetenland. Das Buch hilft ihr, sich mit den Erlebnissen
auseinander zusetzen.
Auch für uns etwas jüngeren Leser ist es wichtig, diesen Teil der Geschichte näher kennenzulernen. Die Literatur eignet sich dazu besonders, da sie nicht nur historische Fakten sondern emotionale Erlebnisse darstellt.
Ich wünsche Ihnen in Ihrer schriftstellerischen Arbeit weiterhin Erfolg.
Mit herzlichen Grüßen
Marion Düring, Zeitz, (22. Februar 2002)
Liebe Frau Dua,
Ihr neues Buch "Verlorene Heimat" habe ich mit großem Interesse gelesen und beglückwünsche Sie dazu. Sie beschreiben darin in eindrucksvoller Weise die Zustände im Sudetenland nach Kriegsende bis zur Vertreibung. Auch ich gehöre zu den Betroffenen und habe bis heute nicht vergessen, welchen Diskriminierungen wir durch die tschechische Bevölkerung bis zur Evakuierung ausgesetzt waren.
Ich finde es sehr mutig von Ihnen, dieses Thema aufzugreifen bzw. aufzuschreiben, zumal Sie sich auf einem schmalen Grat bewegen mussten. Die "Vertreibung" lässt auch heute nach mehr als 50 Jahren immer noch gewaltige Emotionen hochkommen. Zu DDR-Zeiten war dieses Thema tabu, wurde einfach totgeschwiegen. In der Öffentlichkeit durfte darüber nicht gesprochen werden und Heimatfreunde konnten sich nur innerhalb ihrer Wohnung darüber austauschen. Das hat insbesondere die Generation von Gretl und Ottl stark belastet. Der Schmerz über den Verlust von Haus, Hof und Heimat ist bei der Generation immer noch hoch.
Ich war bei der Evakuierung im Herbst 1946 knapp zehn Jahre alt und habe natürlich unter den Demütigungen durch die tschechischen Kinder sehr gelitten. Aber als Kind verarbeitet man das viel leichter. Ich war zwar über den Verlust der Freunde traurig (wir wurden in alle Winde verstreut) und habe die Heimat auch nie vergessen. Aber eine Rückkehr steht für mich außer Frage. Man sollte nicht ein großes Unrecht durch ein neues Unrecht vergelten. Und wenn in Ihrem Buch von "Hoffnung auf Heimkehr" die Rede ist, dann meinen Gretl und Ottl das sicher nicht ganz ernst. Vielleicht hilft ihnen das Buch, den Schmerz zu überwinden und nicht mehr mit Wehmut zurückzuschauen. Das Buch ist auch eine Erinnerung für ihre Kinder und Enkel an diese schwere Zeit.
Für mich bedeutet dieses Buch viel und auch ich werde es weitergeben an Kinder und Enkel, damit sie erfahren, wo die Wiege ihrer Vorfahren stand und warum und wie sie ihre Heimat verlassen mussten.
Liebe Frau Dua, ich bin Ihnen so dankbar, dass dieses Buch jetzt erschienen ist, denn eines Tages wird es die Generation von Gretl und Ottl nicht mehr geben. Dann wird das Buch darüber erzählen, wie schwer es ist, die "Heimat ohne Wiederkehr" verlassen zu müssen, dass es aber immer einen neuen Anfang gibt.
Ich wünsche Ihnen noch viele gute Ideen und mögen alle Ihre weiteren Bücher so fesselnd wie dieses und erfolgreich sein!
Ihre Bertl Lippert, Leipzig (8. Februar 2002)
Lieben Gisela,
Dein "Abendrot" nehme ich immer wieder zur Hand. Was für ein bitteres Unrecht ist auch diesen Menschen geschehen. Meine Eltern hatten auch eine Frau Sordil aufgenommen. Meine Erinnerungen an die alte Dame sind nur schwach. Sie beziehen sich auf ihre liebe Art, ihren Rosenkranz, der für mich eine Kette war und auf Pellkartoffeln mit Sirup, für mich ein Hochgenuss. Sie zog noch in den 40er Jahren zu ihren Sohn, damals war ich vielleicht fünf Jahre alt.
Es gibt für diese Leute keine Wiedergutmachung, weil es nicht gut zu machen ist. Das Zurück in die Heimat und zum eigenen Grund und Boden aber bringt neues Unglück, denn auch das betrifft Menschen, die ihr Leben den Gegebenheiten entsprechend aufgebaut haben und nichts beeinflussen konnten und das sind heute die fast 60-Jährigen und es kann demzufolge zwei bis drei Generationen betreffen.
Ein schwieriges Gebiet und ein Grund für den Frieden einzutreten, für den großen und den kleinen im täglichen Miteinander.
Meine Bekannte kommt aus dem Zwittauer Gebiet. Kannst du nicht über die Heimatzeitung auf dein Buch hinweisen?
Wir wünschen dir viel Erfolg damit und mit deinen Zukunftsträumen.
Ich finde es so stark wie du deine Ziele verfolgst, einfach klasse!
Viele herzliche Grüße senden dir deine Rempt's aus Lychen (30. Januar 2002)
Beim Lesen Deines Buches, liebe Gisela, staunte ich zunächst über Deinen Mut, Dich an politische Thematiken heranzuwagen, freute mich aber auch gleichzeitig darüber, denn "Abendrot" ist ein für meine Begriffe absolut gelungenes Werke, diesen leider geschehenden geschichtlichen Abschnitt zu behandeln, der Wahrheit entsprechend, einleuchtend und verständlich und aber auch emotional ansprechend.
Da wir zwei ein Jahrgang sind und durch die gleiche Schule gegangen, weiß ich, daß uns dieses Kapitel der Geschichte größtenteils vorenthalten wurde, bzw. es nicht den ihm gebührenden Stellenwert entsprechend vermittelt wurde. Das Wissen darum mußte man sich in "Eigeninitiative" erarbeiten, und Du, liebe Gisela, hast es aufgegriffen und meisterhaft behandelt, dargestellt am konkreten Beispiel, historisch und aktuell-politisch unterlegt, kulturelles Erbe dazu aufgespürt und damit publiziert.
Mutig fand ich es deshalb, weil eigentlich eine meine bitteren Erfahrungen besagt, die Hände lieber von der Politik zu lassen, sein "Inneres" nicht nach außen zu kehren, um einigermaßen erfolgreich, zumindest aber unbeschadet, durchs Leben zu kommen.
Es gefällt mir außerordentlich, daß Du am Ende Deines Buches Deinen Lesern deutlich sagst, warum Du dieses Thema aufgegriffen hast, und der weitere Verlauf des Jahres 2001 seit der Veröffentlichung Deines Werkes zeigt, wie hoch aktuell dieser Inhalt ist und die Gegenwart immer wieder neue, furchtbare Ereignisse produziert, die uns letztlich glauben lassen, daß immer wieder neues Unrecht geschieht, und es doch eigentlich keinen gültigen und bindenden Rahmen für menschliches "Tun und Lassen", auf eine einfache Formel, gibt.
Mir gefällt Dein Buch sehr; es wird hoffentlich populär werden und viele Menschen zum Nachdenken anregen.
"Hut ab!" liebe Gisela, sage ich und danke Dir nochmals, daß Du mich an Deinen "Inneren", Deinen Gedanken teilhaben läßt und mir Deine Werke präsentierst.
Ich wünsche Dir weiterhin viele gute Ideen, einen guten Spürsinn für interessante, wichtige Themen, im privaten Leben alles Gute, so daß Du Dich entfalten und erfolgreich sein kannst.
Mit herzlichen Grüßen
Karin Dietrich, Kahnsdorf (20. Januar 2002)